Heilig-Kreuz-Kapelle

 

Der erste Hinweis auf die Heilig-Kreuz-Kapelle stammt aus dem Jahre 1509 als der Konstanzer Generalvikar die Erlaubnis gab, die Kapelle zum Hl. Kreuz außerhalb der Tiengener Stadtmauer neu in vergrößertem Maßstab aufzubauen. Ein Neubau erfolgte im Jahr 1525 während der Regierungszeit von Graf Rudolf von Sulz. Zu dieser Kapelle, in der ein  Bild des hl. Kreuzes war, bestand schon sehr früh eine Wallfahrt.

Schon ein Jahrzehnt war seit dem Ausbruch des 30jährigen Krieges vergangen, als im Jahre 1629 die Kapelle neu erbaut wurde. Die Kapelle erhielt damals die heutige Form. Stifter war wohl Landgraf Karl Ludwig Ernst von Sulz. 1631 stiftete Christina von Hohenzollern, eine Verwandte des Sulzischen Hauses, auf das Fest Kreuzerhöhung (14. September) eine Jahrtagsmesse. Noch waren die Gegenden am Hochrhein und im Klettgau nicht unmittelbar in die kriegerischen Auseinandersetzungen des 30jährigrn Krieges (1618-1648) einbezogen und man hoffte den Bau in Frieden vollenden zu können. Doch es folgten Jahre mit Pest, Krieg, Plünderung, Mord und Brand. Erst am 31. August 1656 wurde die zerstörte und nach dem Krieg wieder aufgebaute Kapelle vom Konstanzer Weihbischof Sigismund neu eingeweiht. Der Hochaltar wurde zu Ehren des Hl. Kreuzes geweiht.

In Tiengen gab es einst eine weitere Kapelle, die wegen Baufälligkeit Anfang des 19. Jahrhunderts abgebrochen wurde. Es war die unweit der Brücke über die Steina auf einer Anhöhe stehende Klausen-Kapelle. Von dieser führte ein Kreuzweg mit 14 Stationen zur Heilig-Kreuz-Kapelle, in der besonders das Wallfahrtskreuz verehrt wurde. Die Wallfahrt zur Hl. Kreuz-Kapelle in Tiengen war weithin bekannt.

Besonders in den vielen Kriegs- und Notzeiten suchten Gläubige und Pilger in der Kapelle Zuflucht zum hl. Kreuz. Das bei den Wallfahrern hoch verehrte Kreuz wurde 1681 restauriert. Es zeigt unten das Wappen und die Initialen Jo. M. R. VB des Stifters Johann Mauritius Ringnold von Broßwalden, Stadtpfarrer in Tiengen von 1670 bis 1687. Das Kreuz hängt heute vorne im Chor.

Während der sog. Salpeterer-Aufstände im Hauensteiner Land in der Zeit von 1719 bis 1755 wurden den Frauen der aufrührerischen Salpeterer, die sich ebenfalls etwas gegen die geistliche oder weltliche Obrigkeit hatten zuschulden kommen lassen, eine Wallfahrt zur Heilig-Kreuz-Kapelle in Tiengen als Buße auferlegt.

Von 1871 bis 1883 diente die Kapelle dem evangelischen Gottesdienst, von 1883 bis 1960 war sie altkatholische Kirche, danach wieder im Besitz der römisch-katholischen Gemeinde.

Der Baustil der Heilig-Kreuz-Kapelle spiegelt den Übergang von der Renaissance zum Barock.

Der leicht eingezogene Chor ist dreiseitig geschlossen. Das Langhaus wird von einem kleinen Querbau gekreuzt. Restaurationen von 1973 und 1991 retteten die arg heruntergekommene Kapelle vor dem weiteren Verfall. Verzierungen sind die geflügelten Engelköpfe als Konsolen der Gewölbe und die Engel über dem Tabernakel zu Füßen des Wallfahrtskreuzes. Die 12 Apostelkreuze erinnern an die Weihe der Kirche. Im nördlichen Querarm steht eine Kleinorgel, im südlichen eine Pieta.

 Manfred Emmerich

Ansprechpartner
Anschrift Heiligkreuzkapelle
Breitenfelder Str.
79761 Waldshut-Tiengen