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Die Pfarrkirche

In einer Urkunde aus dem Jahr 858 findet der Ort erstmals urkundliche Erwähnung, als der Priester Swab „bei Tiengen vor versammelter Bevölkerung des Alpgaus“ seine Liegenschaft dem Kloster Rheinau vermachte. Dies deutet darauf hin, dass hier wohl schon im 8. Jahrhundert eine Kirche stand, über deren Aussehen allerdings nichts bekannt ist. Unzweifelhaft dürfte Tiengen zu den Urpfarreien des südlichen Schwarzwaldes gehört haben, zumal bis tief ins Mittelalter die Orte Aichen, Krenkingen, Detzeln und Breitenfeld sowie Unter- und Oberlauchingen zu der hiesigen Pfarrei gehörten.
Bei Grabungen wurde Spuren einer kleinen Kirche gefunden, in der 1146 Bernhard von Clairvaux den Kreuzzug gepredigt hat. Im Laufe der Zeit wurde der Kirchenbau mehrmals erweitert. Die gotische Kirche, die Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet worden war, liess Graf Alwig von Sulz 1572 erweitern.
Bei dem barocken Umbau, der die Kirche in ihren heutigen Zustand versetzte, musste auf Anordnung des Fürsten Josef Adam von Schwarzenberg der untere viereckige Teil des gotischen Teil des Kirchturms stehen bleiben und in den Neubau des Langhauses integriert werden. Im unteren Turmgeschoss, in dem sich heute die Sakristei befindet, sind noch Teile eines gotischen Sakramentshäuschens und Reste von Wandmalereien erhalten.
Peter Thumb

Die bedeutensten von ihnen sind Franz Beer, Kaspar Moosburger und Peter Thumb. Die Art ihres Bauens bezeichnet man als Vorarlberger Münsterbauschema. Es sind saalartige Wandpfeilerkirchen mit und ohne Emporen, die den jeweiligen Baubedingungen angepasst und weiterentwickelt wurden. In den Werken des Baumeisters Peter Thumb lässt sich die Entwicklung dieses Schemas gut nachvollziehen.
Er wurde am 18. 12. 1681 in Bezau / Vorarlberg geboren und arbeitete nach seiner Ausbildung als Polier unter Franz Beer, dessen Tochter er 1707 heiratete. Peter Thumb entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem der bedeutensten Barockbaumeister Süddeutschlands.
Zu seinen wichtigsten Werken gehören u.a. St. Peter im Schwarzwald, Waldkirch, Hilzingen, St. Gallen und die weltberühmte Klosterkirche Birnau am Bodensee. Bei seinen letzten Kirchen, der Stadtpfarrkirche in Tiengen und der Stiftskirche in St. Gallen, verwendet der Baumeister Wandpfeiler ohne Emporen. Weil in Tiengen der Turm der gotischen Kirche stehen bleiben musste, konnte der Höhenunterschied vom niedrigeren Chorraum zum hohen neuen Gewölbe nicht überbrückt werden. Daher zog Thumb eine Mauer ein, sodass die neue Kirche keinen eigentlichen Chorraum besitzt. Eine Saalkirche ohne Chor verlangte jedoch eine Gliederung des Raumes. Deswegen griff Thumb aus gestalterischen Gründen auf die Wandpfeiler der früheren Jahre zurück und löste das hier auftretende Problem in einfacher, aber vollendeter Weise.
Renovation
Die Tiengener Pfarrkirche wurde 1976/78 umfassend renoviert und weitgehenst auf den barocken Bauzustand zurückgeführt. Helle Fenster, die dem Innenraum die notwendige Lichtfülle geben, ersetzten die bemalten Kirchenfenster des 19. Jahrhunderts, die teiweise im Pfarrsaal wieder eingesetzt wurden. Alle Übermalungen, besonders der Altäre wurden entfernt und die Grisaillen (Fresken in Grautönen) wieder freigelegt. Statt moderner Lampen geben jetzt barocke Lüster strahlendes, festliches Licht.
Das Äussere der Kirche ist schlicht und ruhig. Der gedrungene Baukörper wird durch Wandliesenen gegliedert, flache Wandkapellen markieren die Mitteljoche. Der viereckige gotische Kirchturm wird achteckig barock weitergeführt und trägt eine Zwiebel mit Kugel und Kreuz. Er überzeugt durch seine guten Massverhältnisse. Die Fassade erhielt durch drei schlanke Rundbogenfenster zwischen der kräftigen Putzgliederung einen vertikalen Akzent. Aufgrund der starken Ausbuchtungen zwischen beiden Wandpfeilern nähert sich der Grundriss dem griechischen gleichschenkligen Kreuz, das in den anderen Thumb-Kirchen nicht zu finden ist.
Innenraum

Der Ruf der Glocken
Manfred Emmerich hat im Frühjahr 2013 eine lesenswerte und interessante Broschüre veröffentlicht über die Geschichte der Tiengener Glocken. Wir möchten ihnen diese hier zur Verfügung stellen. Auf der Seite des Erzbistums finden sie Videos und Tonaufnahmen zu unseren Glocken.

