Die Katholiken der Stadt Waldshut finden Ihre religiöse Heimat in der Pfarrgemeinde Liebfrauen, deren Zentrum die Liebfrauenkirche ist. Näheres zur Kirche kann man aus dem zum Jubiläumsjahr 2008 neu aufgelegten Kirchenführer entnehmen. Diesen finden Sie im Schriftenstand der Kirche oder erhalten ihn auf Anfrage im Pfarrbüro Waldshut zum Preis von 5,-- Euro.
Baubeginn: 1804 Benediktion: 15. August 1808 durch Dekan und Stadtpfarrer Josef Bidermann. Kirchweihe: 27. April 1833 durch Weihbischof Hermann von Vicari, dem späteren Erzbischof von Freiburg. Die letzte Innenrenovation der Liebfrauenkirche war 2006 und die Außenrenovation war 2015.
Trotz der sich ankündigenden Säkularisation ergriff Abt Berthold Rottler von St. Blasien zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Initiative für einen Neubau der Waldshuter Kirche. Die neue Liebfrauenkirche ist das Werk von Sebastian Fritschi, dem Architekten der Abtei Sankt Blasien, von der die Pfarrei abhängig war. Sie verrät den Einfluss des französischen Klassizismus, wie er in unserer Region durch D'Ixnard Verbreitung fand.
Als im Rahmen der Säkularisation das Kloster St. Blasien 1806 aufgehoben wurde,
stellte dies für den Weiterbau der Waldshuter Kirche in zweierlei Hinsicht einen Einschnitt dar: Zum einen wurde Fritschi unter staatliche Bauaufsicht gestellt und zum anderen erhielt die Kirche auf Geheiß des badischen Großherzogs zwei Seitenaltäre der Klosterkirche. Weiterhin erhielt die Liebfrauenkirche von ihrer ehemaligen Patronatskirche Teile des Chorgestühls, die nun für den Altarraum und als „Honoratiorenbänke" unter der Empore umgearbeitet wurden.
Zu Anfang aufgrund der politischen Wirren jener Jahre eher schlicht gehalten, erhielt sie im Laufe späterer Renovationen eine zunehmend reichere Ausstattung. Es finden sich Malereien von Kaltenbach (1905) und Bertsche (1931), sowie Statuen von Vollmar (1810) und Moroder/Ebi (1905).
Die Orgel der Pfarrkirche Liebfrauen ist ein Werk von Franz C. Winterhalter aus Oberharmersbach aus dem Jahr 1983. Sie verfügt über einen freistehenden Spieltisch, eine mechanische Spiel- und eine elektropneumatische Registertraktur. Die Orgel wurde im Jahr 2007 einer grundlegenden Sanierung unterzogen und besitzt heute drei Manuale und ein Pedal mit 45 Registern und 3049 Pfeifen.
Das Waldshuter Geläut gilt als eines der ältesten im Erzbistum Freiburg, und das, obwohl einige Glocken beim Turmeinsturz 1805 zerschellt sind. Die Pfarrkirche Liebfrauen in Waldshut verfügt seit 2023 über ein neunstimmiges Geläut. Dieses besteht aus einem historischen Kerngeläut und drei neu hinzugegossenen Glocken aus der Glockengießerei Grasmayr in Innsbruck.
Vom sechsten Jahrhundert an verbreiteten sich die Glocken, ausgehend vom Orient, über Frankreich und Italien in ganz Europa. Die bis heute gültigen Funktionen des Läutens sind, 1. die Gläubigen zum Gottesdienst einzuladen, 2. während der Gottesdienste auf bestimmte Vorgänge (Evangelium, Wandlung, Segen) hinzuweisen und dadurch die nicht in der Kirche Anwesenden zum Gebet aufzurufen, und 3. um mehrmals täglich zum Gebet aufzurufen.
Das tägliche Angelusläuten am Morgen, am Mittag und am Abend ruft dazu auf den ‚Engel des Herrn' zu beten. Das abendliche kurze Nachläuten an den Angelus mit einer kleineren Glocke, wird ‚Vaterunserläuten' genannt. Es fordert die Gemeinde zum Gebet für die Verstorbenen auf.
Das Einläuten am Vorabend gilt für Sonntage und Hochfeste. Dieser Brauch geht auf das Läuten zur ersten Vesper zurück. Daher findet das Einläuten üblicherweise am frühen Abend statt und geschieht mit dem gleichen Geläut wie zum Hauptgottesdienst am Sonn- oder Feiertag selbst. Um die Besonderheit eines Tages anzukündigen, z. B. am Ostersonntag, an Fronleichnam oder am Chilibisonntag, wird am frühen Morgen der Festtag eingeläutet.
Das Vorläuten geschieht in der Regel vor Gottesdiensten an Sonn- und Feiertagen oder nur zu besonderen Anlässen (Hochfeste) eine halbe Stunde vor Gottesdienstbeginn mit der größten Glocke des Hauptgeläuts.
Das Haupt- oder Zusammenläuten zeichnet sich im Normalfall durch ein mindestens zweistimmiges Geläut aus und kündigt den unmittelbar bevorstehenden Beginn des Gottesdienstes an, es erfolgt meistens 15 Minuten vor Beginn des Gottesdienstes. Das Haupt- oder Zusammenläuten beinhaltet auch die liturgische Rangordnung des Tages (Hochfest, Sonntag, Fest oder Werktag); die Gottesdienstform wird je nach Größe des Geläutes durch Anzahl der Glocken bzw. durch unterschiedliche Wahl der Glocken unterschieden.
Das Ausläuten zeichnet die hohen Festtage aus. Am Ende des Gottesdienstes werden meist zum gesungenen ‚Te Deum', dem ‚Großer Gott wir loben dich' alle Glocken geläutet. Dieses Geläut endet nachdem alle Gottesdienstbesucher die Kirche verlassen haben.
Das sogenannte Todesläuten mit der großen Glocke erinnert an den Freitagen der Fastenzeit um 15.00 Uhr an die Todesstunde des Herrn und ruft zu dankbarem Gebet auf.
Das Sterbeläuten verkündet den Tod eines Gemeindemitglieds. Dieses Läuten kann entweder beim Eintreffen der Todesnachricht oder im nächsten Gottesdienst erfolgen. Die Gemeinde wird durch dieses Läuten zum Gebet für den oder die Verstorbene(n) aufgerufen.
Weltlichen Ursprungs ist das Glockengeläut in der Neujahrsnacht. Außerdem könnten die Kirchenglocken im Notfall geläutet werden, z. B. bei Feuer oder Katastrophen, wenn keine andere Möglichkeit gegeben ist.
Das älteste Stück des Waldshuter Kirchenschatzes ist ein silbervergoldetes und mit Edelsteinen besetztes Vortragekreuz aus dem 16. Jahrhundert. Der älteste vorhandene Kelch stammt aus dem Jahr 1618. Die wertvollste Arbeit ist die große Monstranz, die der Augsburger Goldschmied Joseph Anton Seethaler 1797 anfertigte.